Alles, was mich an Hashtags nervt

Ende der 90er: Wir sangen Lieder über Maschendrahtzäune, das Internet war Neuland und „#“ hieß noch Raute und wurde nur dazu benutzt, das Guthaben auf unserem Prepaid- Nokia-3210 abzufragen.

Der 23. August 2007: Chris Messina upcycelt die Raute quasi und erfindet den Hashtag:

Tolle Idee, super praktisch: Man setzt einfach eine Raute vor einen Begriff und markiert somit einen Beitrag als einem bestimmten Thema zugehörig.

The Artist Formerly Known as Raute

An der Idee habe ich auch gar nichts auszusetzen. An der Umsetzung hingegen viel. Wie können vier Striche nur so viel Augenrollen auslösen?

Hier meine Top-5 der Dinge, die mich an Hashtags nerven:

1. Hashtags in privaten Posts

Innerhalb eines privaten Instagram- oder Twitter-Accounts, in einem Facebook-Post, der nur für die eigenen Freunde freigegeben ist, oder im WhatsApp-Status: Hier Hashtags zu verwenden macht so viel Sinn wie an eine Weste Knöpfe anzubringen, aber keine Knopflöcher.

Ich hoffe die AutorInnen sind sich dessen bewusst und fügen sie nur deshalb ein, weil es inzwischen halt irgendwie zu Social Media dazugehört.

Bei Instagram oder Twitter hat man dann zumindest die Möglichkeit, durch Klick auf den überflüssigen Hashtags andere (öffentliche) Beiträge aufzurufen, die ebenso markiert wurden. Aber ich bezweifle, dass dies die Intention der ‚Grammers und Tweetenden war.

Besonders schwerwiegend ist diese Vergehen, wenn die Bildunterschrift bei Instagram ausschließlich aus Hashtags besteht. In diesem Fall, liebe Leute, postet einfach nur euer Bild. Denn es ist offensichtlich, dass ihr der Welt außer Selfies nichts zu geben habt.

2. Hashtags als Meta-Kommentar

Diese Gattung erkennt man häufig daran, dass man sie zwei- oder dreimal lesen muss, um sie entziffern zu können.

Der Hashtag wird hier nicht als „Suchbefehl“, sondern lediglich als zusätzlicher Kommentar verwendet.

Ich lasse mir eingehen, dass ein solcher Meta-Kommentar manchmal hilfreich sein kann. #sarcasm etwa kann Missverständnisse ausräumen. In 280 Zeichen und ohne Mimik ist es oft unmöglich zu vermitteln, dass das Geschriebene nicht ernst gemeint ist. Da hilft auch kein Emoji, in dem ja doch alle etwas anderes sehen.

Ein Klassiker des Genres.

Oft sind die in diesen Hashtags versteckten Kommentare ja durchaus lustig. Mein Vorschlag wäre deshalb, dass sich die AutorInnen eine Minute mehr Zeit nimmt und den Gag ausformulieren und Teil des eigentlichen Tweets machen. Wie wär’s?

3. Ausgesprochene Hashtags

In der besagten guten, alten Zeit, anno 2000, war es für eine kleine Sprachdiplomatin das Witzigste der Welt, aus jedem vierten Satz eine URL zu machen. Zur Schlafenszeit etwa hieß es dann: „h-t-t-p-Punkt-Backslash-Backslash-w-w-w-Punkt-ich-gehe-jetzt-ins-Bett-Punkt-de.“

Heute frage ich mich, wie ich das je lustig finden konnte.

Immerhin war ich nur ein Kind. Heute beenden waschechte Erwachsene mit Führerschein und Hausratsversicherung und Rasenmährobotern allen Ernstes ihre Gesprächsbeiträge mit „Hashtag Awkward“.

Im besten Fall hört sich das so an, als würde man Tweets diktieren. Schlimmstenfalls als würde man nicht wissen, dass Satzzeichen nicht ausgesprochen werden. In allen Fällen klingt es furchtbar dämlich Punkt

4. Immerselbe Hashtags auf Instagram

Täglich stirbt auf Instagram die Kreativität eines brutalen Todes. Die Mordwaffe: der Hashtag.

Egal, was es ist, dass das Herz der Igers höher schlagen lässt, mit Sicherheit haben sie sich dafür keinen originellen Hashtag einfallen lassen.

Laut Instagram verspüren sie nämlich für so ziemlich alles Liebe: #interiorliebe, #dekoliebe, #backliebe, #foodblogliebe, #altbauliebe, #kuchenliebe, #papierliebe, #leseliebe, #welpenliebe, #pflanzenliebe, #münchenliebe, #ostseeliebe, #dirndlliebe, #nähliebe, #syltliebe, #uhrenliebe, #schmuckliebe, #münsterliebe, #buchliebe, #bayernliebe, #bergliebe, #ponyliebe, #pferdeliebe, #nordseeliebe, #dackelliebe, #bücherliebe …

Was nicht geliebt wird, macht glücklich. Unter anderem: tanzen, schwimmen, spinnen, Techno, grillen, Grün, shoppen, backen, basteln, häkeln, lesen, wandern, kochen, bouldern, Bollywood, Rennrad fahren, schwimmen, zeichnen, Socken stricken, stempeln, das Sauerland und filzen.

Selbst #machtglücklich hat über acht Tausend Beiträge.

5. Hashtags aus Emojis

Auch der Gipfel der Faulheit wird nur auf Instagram erklommen: Sage und schreibe 227 000 Beiträge wurden mit #❤️❤️❤️❤️❤️❤️ markiert.

Ich könnte mich jetzt darüber auslassen, wie faul, uninspiriert und dämlich das ist. Aber ich belasse es einfach bei einem #🤦🏼‍♀️.


Gibt es etwas, das euch an Hashtags nervt, oder seid ihr #relaxed?

2 Kommentare zu „Alles, was mich an Hashtags nervt

  1. Was unbedingt noch in die Liste gehört: Der unglaublich lange Veranstaltungs-Hashtag.
    Hashtags für große Veranstaltungen sind ja sehr nützlich. Aber
    #Hessunternehmerinnentag ? Ehrlich? Immerhin haben sie das „Hessischer“ etwas verkürzt. Ich habe mir das Ding in die Zwischenablage vom Smartphone kopiert, um es an dem Tag nicht ständig tippen zu müssen.

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