Rezension: „You go me on the cookie!” von Dana Newman

Ich glaube alle MuttersprachlerInnen sind sich einig: Wir hatten wirklich Schwein, dass wir Deutsch nicht lernen mussten!

Dana Newman hatte da weniger Glück. Die Amerikanerin hat sich in einen Deutschen verliebt hat und ist seinetwegen nach München gezogen. Seither versucht sie, des Deutschen mächtig zu werden.

Ihren „abenteuerlichen Weg” dokumentiert sie seit einigen Jahren auf dem YouTube-Kanal „Wanted Adventure” und nun auch in ihrem Buch „You go me on the cookie!”.

Dieser Weg begann, als sie ohne irgendwelche Deutschkenntnisse nach München kam. Damals dachte sie, „Ausfahrt” sei ein Ort, benutze Badreiniger für den Boden und Bodenreiniger für die Wanne, und hatte panische Angst vorm Telefonieren auf Deutsch.

Die Sprache beschreibt sie als „immer wieder fesselnd, immer wieder unterhaltsam, manchmal frustrierend”, Umlaute als „Buchstaben, die wie Smileys aussehen” und den Klang des deutschen Vs wie ein bellender Hund mit einem Hausschuh im Maul („Vau! Vau!”).

Eine Sprache wie ein Känguru

Deutsch ist nicht nur eine Fremdsprache in diesem Buch, sondern ein Charakter mit ganz eigener Persönlichkeit. Es hat mich stellenweise an das Känguru aus den Känguru-Chroniken erinnert: ein stures, Ironie liebendes Wesen, das manchmal vollkommen logisch, manchmal vollkommen absurd ist.

Andernorts wirkt die Sprache musikalisch, wenn auch avantgardistisch. Ihren Charakter hat Newman mit ihrer enthusiastischen Schreibweise toll eingefangen. So schreibt sie von bayerischen Wörtern, die „möglichst tief in der Kehle” begönnen, „von wo aus sie nonchalant nach vorn rutschen, so als würden sie eine mit Zuckersirup bedeckte Wasserrutschbahn heruntergleiten” . Oder von Worten wie „Nahrungsmittelunverträglichkeit”:

„Wenn ich im Stillen ein deutsches Buch oder einen Zeitungsartikel lese und an den Anfang eines solchen Wortes komme, bleibt mein Gedankenfluss abrupt stehen und knallt mit all dem Schwung, den ich bis dahin beim Lesen aufgebaut habe, gegen mein Gehirn, wie eine Figur in einem Zeichentrickfilm, die in einer zu scharfen Kurve über den Fahhrradlenker geschleudert wird.“

Als Texterin und Übersetzerin für Englisch, die sich seit Jahren mit beiden Sprachen beschäftigt, war ein Großteil der in „You go me on the cookie!” behandelten Themen und Eigenheiten neues für mich.

Dennoch habe ich auch neue Einblicke mitgenommen, etwa

  • dass es im Englischen keinen wirklichen Begriff für das Endstück des Brots gibt,
  • wie schön das Worte Erklärungsnot ist,
  • dass man der, die, das nur in dieser Reihenfolge sagt,
  • dass man im Englischen rucksack nur verwendet, wenn man einen Wanderrucksack meint,
  • und dass Handschuhe logischerweise Handsocken heißen sollten.

Den Titel des Buchs finde ich sehr unpassend gewählt. Mit dem oberflächlichen Humor der bekannten „Denglisch” -Postkarten hat das Buch nämlich nichts zu tun.

Vielmehr ist es eine unterhaltsame und kurzweilige Lektüre für alle, die sich für die deutsche Sprache begeistern können und sie aus der Sicht einer Nichtmuttersprachlerin betrachten möchten.

Über „You go me on the cookie!”

„You go me on the cookie!” ist im Goldmann-Verlag erschienen und wurde hervorragend aus dem Amerikanischen übersetzt von Annika Klapper.

Ich habe dieses Buch bei einer Verlosung auf lovelybooks.de gewonnen.

Über Dana Newman

Dana Newman wuchs in Florida auf. Nach Ihrem Universitätsabschluss zog sie in die Tschechische Republik, dem Heimatland ihrer Vorfahren. Dort spielt auch ihr Roman „Found in Prague” .

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