3 Marketing-Floskeln, die weg müssen

Es gibt Sätze, die keine Wirkung haben. Sätze, die man entweder so oft hört, dass man sie nicht mehr wahrnimmt („Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage oder fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker“) oder die man schon immer für unglaubwürdig gehalten hat („Alle 11 Minuten verliebt sich ein Single über Parship).

In B2B-Marketingtexten wimmelt es von beiden Typen. Ja, die Produkte sind selten sexy, die Dienstleistungen oft erklärungsbedürftig und die Veranstaltungen meist trocken. Das ist aber bei weitem kein Grund, uninspirierte Nullachtfünfzehn-Texte zu schreiben, die immergleiche Floskeln enthalten.

Als ersten Anstoß für mehr Kreativität schlage ich deshalb vor, die folgenden drei Floskeln für immer aus dem Eventmarketing zu verbannen.*

1. „Es ist wieder soweit!“

(Auch bekannt als „Der Countdown läuft!“, „Nur noch wenige Tage“, „x steht vor der Tür“.)

Veranstaltungs-Marketing: Alternative zu "es ist wieder soweit"
– „Was willst du später mal beruflich machen?“
-„Irgendwas mit Zäunen.“

Seien wir ehrlich: Niemand fiebert B2B-Veranstaltungen entgegen. Die Perimeter Protection, Fachmesse für Perimeter-Schutz, Zauntechnik und Gebäudesicherheit, ist nicht Game of Thrones.

Wie geht es besser? Es ist durchaus möglich, auf eine Veranstaltung aufmerksam zu machen, ohne wie ein Zombie zu klingen. Warum statt künstliche Vorfreude zu generieren, nicht einfach mit Fakten werben? Wer vom Programm der eigenen Veranstaltung überzeugt ist, sollte genug Argumente finden, warum sich ein Besuch lohnt.

Und für den Marketing-Touch? Wie wäre es mit einem Wortspiel? „News am laufenden Perimeter“, „jetzt wird’s peri-meta“. Oder einen Reim: „diese Vertreter sind auf der Perimeter“. Albern? Vielleicht. Aber macht mehr her als „bald geht’s los“.

2. „Wir freuen uns auf Sie!“

– „Maschendraht & Söhne kommt auch.“
– „OMG!“

Wirklich? Wirklich?? Wie drückt sich diese Freude denn aus? Machen die Verantwortlichen bei jeder Anmeldung, die eingeht, Luftsprünge? Werden die TeilnehmerInnen mit Luftschlangen, Konfetti und Tröten begrüßt, weil das Veranstaltungsteam nicht weiß wohin mit seinem Enthusiasmus?

Wie geht es besser? Warum muss man den Leuten überhaupt vorgaukeln, man freue sich? Kommt dann eine Person mehr?

Ich nehme an, es ist die persönliche Komponente, die diese Phrase attraktiv macht. Wer unbedingt von den Menschen hinter der Veranstaltung sprechen will, könnte stattdessen darüber sprechen, wie sehr sich das Team ins Zeug gelegt hat, um ein tolles Event auf die Beine zu stellen; wie es sich um die besten RednerInnen bemüht hat; wie lange es am Programm gefeilt oder wie viel Anrufe es getätigt hat, um den perfekten Veranstaltungsort zu sichern.

3. „Spannende Vorträge“

Eventmarketing: Bessere Formulierung als "spannende Vorträge"
„Der Vortrag zu passivem Freigeländeschutz geht gleich los.“ – „Ich hol‘ mir noch schnell Popcorn.“

Noch nie, aber wirklich nie, habe ich einen Vortrag als spannend empfunden. Spannung ist, wenn man nach dem Popcorn greift. Spannung ist, wenn man es sich verdrückt, auf die Toilette zu gehen. Das Wort „Vortrag“ alleine schließt Spannung aus.

Gute Vorträge sind: interessant, erhellend, unterhaltsam, kurzweilig, hilfreich, verständlich, witzig, locker.

Würde ich diese Worte verwenden, um einen Vortrag zu bewerben? Nein, weil man in den wenigsten Fällen weiß, wie ein Vortrag werden wird (meiner Erfahrung nach werden die meisten kurz vor knapp fertiggestellt und nie geprobt).

Wie geht es besser? Ein aussagekräftiger Titel ist die halbe Miete. Falls das nicht möglich ist (vielleicht ist das Schlüsselwort so lange ist, dass nur noch wenige Zeichen übrig sind), kann man mit der Reputation des Speakers prahlen oder Versprechungen machen, was ZuhörerInnen lernen können.


Auch wenn Enthusiasmus, Spannung und Vorfreude den Hollywood-Filmstudios, Turnschuhherstellern und High-Tech-Unternehmen dieser Welt vorenthalten sind, auch Handschuh-Fabrikanten, Druckmaschinenfertiger und Bauzulieferer können mit kreativen Texten werben. Sie müssen nur ein, zwei Minuten mehr investieren.

*Ich gebe zu, dass jede davon auf meinem textlichen Vorstrafenregister zu finden ist.


Fotos von CJ Dayrit,  Feifei Peng und Rita Vicari 

2 Kommentare zu „3 Marketing-Floskeln, die weg müssen

  1. Sehr gut, dein Artikel! Mit Zwei bin ich nicht ganz einverstanden, ich finde es immer schön, wenn man seine Freude den Besuchern gegenüber Ausdruck verleiht, schließlich bringen sie ihre Zeit mit und das sollte man respektieren, über die Art und Weise der Floskel kann man ja noch reden😄

    1. Danke, Jessica!
      Dein Argument kann ich nachvollziehen. Ich finde, wenn man das den Leuten persönlich sagt/schreibt, ist es nochmal was anderes als in einem Social-Post, wenn man noch nicht mal weiß, wer eigentlich kommt.

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