Mein Lieblingsbuchstabe: Das scharfe S

Eszett ist der beste Buchstabe in der deutschen Sprache

Ich habe einen von diesen Nachnamen, die man immerzu buchstabieren muss. Das kann mitunter sehr nervig sein.

Aber eine Frage beantworte ich jedes Mal mit Stolz geschwellter Brust:

– Mit Doppel-S?
Nein, mit scharfem S!

Ich liebe das scharfe S in meinem Nachnamen. Wenn ich darüber nachdenke, ist das ß sogar mein Lieblingsbuchstabe.

Warum das ß der coolste Buchstabe ist

Es ist einzigartig. ß wird in keiner anderen Sprache außer dem Deutschen verwendet. Noch nicht mal die SchweizerInnen nutzen es. Leute, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind, wissen absolut nicht, was sie mit diesem Buchstaben anfangen sollen. Als ich für drei Monate in Kanada gelebt habe, haben mich alle, die meinen Namen gelesen haben, nur ratlos angesehen. Sie hatten keine Ahnung, wie man ihn ausspricht.

Es hat Spitznamen: Buckel-S, Rucksack-S, Dreierles-S, Ringel-S. Nennt mir einen anderen Buchstaben, der Kosenamen hat? Das können noch nicht mal Umlaute von sich behaupten!

Viele sagen natürlich auch Eszett. Das lehne ich ab. Wenn ich „Eszett“ höre, denke ich immer zuerst an diese seltsame Frühstücks-Schokolade.

Er steht zu seiner Größe: Jahrhundertelang war das scharfe S der einzige Buchstabe, den es nicht als Großbuchstaben gab. Inzwischen gibt es ihn auch „in groß“. Ich habe das allerdings noch nirgends gesehen. Oder es ist mir einfach nicht aufgefallen. Denn der Unterschied ist minimal:

Kleinbuchstabe = ß
Großbuchstabe = ẞ

Ich bin kein Fan der Maxi-Version (ich musste erstmal googeln, wie man das ẞ überhaupt tippt). Denn mit das Coolste am ß war, dass es kein großes Pendant gab. Was für ein Alleinstellungsmerkmal!

Wenn ich meinen Nachnamen in Großbuchstaben schreiben muss, konnte ich früher entweder ein SS daraus machen oder einfach ein kleines ß verwenden. Meistens habe ich mich für letzere Option entschieden, weil a) mein Name verdammt nochmal mit scharfen und nicht mit Doppel-S geschrieben wird und b) ich mir dabei ziemlich rebellisch vorkam.

Ein kleiner Buchstabe inmitten eines großgeschriebenen Wortes hat einfach was. Ich würde fast behaupten, Apple hat sich das Konzept abgeschaut und für die Namensgebung seiner Produkte umgekehrt.

Er sieht aus wie eine schwangere Frau.

Für mich ist das scharfe S der idiosynkratischste aller Buchstaben. Viele Leute mögen ihn nicht, weil er schwerig ist. Der Rechtschreibrat will ihm seit Jahren an den Kragen. Es hat trotzdem überlebt. Er ist ein kleiner (und jetzt auch großer) Kämpfer. Und deshalb liebe ich ihn so. ♥


Welcher ist euer Lieblingsbuchstabe?

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